真功夫 Über traditionelles Training im Gongfu
Deshalb liegt es an den Lehrern, auf allen Stufen, die Schüler auf die nächste Stufe vorzubereiten. Ihre Zeit nicht zu verschwenden, sondern ihnen möglichst sinnvoll und effektiv den Weg zu gutem Gongfu zu weisen. Doch genauso hängt es auch am Schüler sich über das gelernte Gedanken zu machen, gewissenhaft und fleißig zu trainieren und nicht seine Zeit (aber auch die seines Lehrers) zu verschwenden. Es ist also wichtig, dass beide, sowohl Lehrer als auch Schüler mit der richtigen Mentalität an das Gongfu Training herantreten. Was ist nun eine geeignete Mentalität?
Im Chinesischen gibt es ein Sprichwort: Man soll im Gongfu nicht das Pferd aber auch nicht den Vogel nachahmen. Das Pferd ist ein Arbeitstier, es rackert und rackert bis sein eigener Körper zerstört ist und es zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Wir sollten im Gongfu nicht unseren Körper zerstören. Gongfu ist dazu da einen gesunden Körper zu entwickeln und diesen Gesund zu halten, deswegen sollten wir beim Training immer im Hinterkopf behalten, dass unsere Gesundheit an erster Stelle steht. Der zweite Teil der Redensart besagt, dass wir nicht versuchen sollen wie ein Vogel in die Lüfte zu fliegen. Wir sollen also beim Gongfu Training nicht von Dingen träumen die nicht Möglich sind, das heißt nicht, dass wir uns keine hohen Ziele setzen sollen, sondern dass diese Ziele nicht Träumen und Fantasien, die wir durch Filme oder Legenden aufgeschnappt haben, entspringen.
Jede Person hat andere Ziele und Erwartungen, die er durch das Training im Gongfu erreichen will. Viele machen es nur der Gesundheit wegen oder als reinen Sport, andere sehen es als Hobby an und wenige gehen noch weiter und nehmen es als integralen Bestandteil in ihr Alltagsleben auf oder wollen es sogar präservieren und weitergeben. Viele sind evtl. damit zufrieden ein wenig exotischen Sport und ein paar schöne Formen gelernt zu haben. Um das Gelernte jedoch traditionelles oder wie man in China oft sagt echtes Gongfu (真功夫 zhen gongfu) nennen zu können erfordert es eines guten Lehrers, viel harter Arbeit und eines systematischen Bildungsweges.
Nehmen wir uns als Beispiel das Tanglang Quan. Wie könnte nun ein guter Bildungsweg im Tanglang Quan aussehen? Tanglang Quan ist ein Stil mit vielen Theorien und Prinzipien, die den letztendlichen Techniken zu Grunde liegen. Es werden verschiedene Kraftarten und Strategien angewandt, um ein optimales Resultat zu erzielen.
Ohne die Kenntnis der dem Tanglang Quan zugrunde liegenden Theorien, ist, was wir trainieren, nur entfernt mit echtem Tanglang Quan verwandt. Es sieht äußerlich so aus, jedoch wenn man genau hinsieht oder es sogar in der Anwendung fühlt, ist es nicht das Selbe. Es fehlt die grundlegende Basis. Im Chinesischen nennt man das Praktizieren eines Stils ohne diese Basis 画拳 (hua quan – hua heißt malen) oder 描拳 (miao quan – miao heißt nachahmen, aber auch schminken), das heißt man ahmt nur die äußerliche Bewegung des Stils nach, die Bewegungen an sich haben jedoch keinen oder den falschen Inhalt. Auch bei Wettbewerben sollten Juroren auf genau diese Punkte achtgeben und nicht auf die „Schönheit“ einer Form. Ein erfahrener Juror sieht wenn eine Form nur „gemalt“ ist.
Man sollte demzufolge zuerst die Basis gelernt haben, bis man dazu übergeht die richtigen Formen zu üben. Die Basis im Tanglang Quan umfasst die 12 Schlüsselworte, die 5 Prinzipien, die 7 Langen und 8 Kurzen, die 8 Harten und 12 Weichen sowie die 8 Stände. Nun sind dies mehrheitlich abstrakte Konzepte, die sich nicht von sich aus üben oder lernen lassen. Typischerweise fängt man mit den 8 Ständen sowie in vielen Familien mit den 12 Tantui an. Diese enthalten eine Menge der oben genannten Basis, es liegt hierbei am Lehrer den Schüler auf das Gelernte aufmerksam zu machen. Auch gibt es zu jedem Konzept aus der obigen Basis meist mehrere Techniken, die man alleine aber auch am Partner üben kann (und sollte). Als Beispiel nehmen wir die erste Harte die sich 泰山压顶 (tai shan ya ding – der Tai Berg drückt auf die Spitze) nennt. Unter diesem Konzept fallen verschiedene Techniken wie 劈拳 (pi quan – spaltende Faust) oder 崩拳 (einstürzende Faust) welche sehr gut für sich trainiert werden können. Auch sollte der Lehrer bei jeder Technik und Anwendung versuchen die Schüler darauf aufmerksam zu machen, welche Schlüsselworte, Prinzipien und Kräfte zum Einsatz kommen.
Hat man nun diese Basis gelernt und verstanden, weiß man welche Kraft in welcher Technik wie anzuwenden ist und versteht sein Gongfu plötzlich. Auch funktionieren Techniken mit einem Mal viel besser, wenn man die richtigen Prinzipien anwendet. Nun kann man sich dazu begeben die Formen des Stils zu lernen. Jede Form hat ihre ganz besonderen Kräfte und Strategien. Der Lehrer sollte also seinem Schüler zuerst erklären worum es in dieser Form geht, so dass der Schüler die Form nicht nur „nachmalt“, sondern diese wirklich kämpft.
Lernt man die Formen jedoch ohne die Basis gelernt und verinnerlicht zu haben, ist man nicht nur die Formen nur am „malen“, sondern verschwendet auch seine Zeit, denn was man denkt zu können sind nur Bewegungsabläufe ähnlich einem Tanz. Vielleicht funktionieren die Techniken sogar manchmal, weil man viel Muskelkraft anwendet oder seinen Gegner dazu auffordert genau das zu tun, was man zum Funktionieren braucht. Aber auf dem Weg zu echtem Gongfu ist man dadurch leider keinen Schritt weiter gekommen. Wir müssen also die Formen mit der Basis des Stils stützen, wie ein Haus durch sein Fundament gestützt wird, da sie ansonsten leer sind und bei der kleinsten Erschütterung in sich zusammen fallen.
Weiterhin sind Formen nur eins der Bestandteile des Gongfu. Sie sind wie Wörterbücher für die Techniken und geben Kombinations- sowie Strategie-Vorschläge zum Kampf. Ein Stil lässt sich aber nicht auf seine Formen reduzieren, da gerade die Essenz des Stiles nicht in den Formen an sich, sondern in der Basis auf der diese beruhen, liegt. Gutes Gongfu ist nicht viele Formen zu kennen, sondern die Formen die man kennt, auch wenn es nur wenige sind, wirklich zu können – zu wissen welche Kräfte wo zum Einsatz kommen und wie die Techniken ausgeführt werden sollten, um in der Anwendung effektiv zu sein. Eine gute traditionelle Form folgt immer dem Prinzip 不用不练 (Bu Yong Bu Lian – Was nicht anwendbar ist wird nicht trainiert).
Daher der Aufruf an alle Gongfu Praktizierenden: Wenn ihr nicht nur einen Sport zu Gesundheitszwecken, sondern echtes traditionelles Gongfu trainieren wollt, hört auf Formen und Gurte zu sammeln, verschwendet eure Zeit nicht mit „nachmalen“ und fangt an die Basis, die Theorien und Prinzipien eures Stils zu lernen. Wenn ihr diese verinnerlicht habt, habt ihr echtes Gongfu und jede Form lernt sich in kürzester Zeit, denn die Basis ist immer die Selbe.
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http://community.zeit.de/user/abromik211 Johanna Alber
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http://www.tanglang.info/ puja
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